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15.11.2015

#NousSommesUnis


"Anschläge vorm Stadium in Paris?" Es ist kurz nach halb 1, als ich die Whatsappnachricht in der Gruppe der Bloggermädels lese. Es ist kurz nach halb 1 und wir tanzen im Club zu den Backstreet Boys, gönnen unseren Füßen jetzt eine kurze Pause. Es ist kurz nach halb 1, als ich die Nachricht erstmal gar nicht weiter wahrnehme.

1 Uhr. Die Nachrichten reißen nicht ab und so öffne ich Facebook. Geiselnahme. Tote. Anschlagsserie. Es fühlt sich einfach absurd an. Absurd, wie wir im Club alles Böse verdrängen, während in unserem Nachbarland offenbar grad Menschen sterben. Menschen, die doch eigentlich nur das gleiche wollten, wie wir in diesem Moment. Spaß haben, das Leben genießen, dem Alltag entfliehen. Erst, als ich Samstagmorgen aufwache, realisiere ich so langsam, was da eigentlich passiert ist.
Plötzlich, da ist der Terror wieder ganz nah. Plötzlich sehen wir den Grund, warum so viele Menschen aus ihren Heimatländern fliehen, direkt vor uns. Es ist nicht heuchlerisch, sich jetzt bestürzt zu zeigen, obwohl man doch sonst auch nicht laut wird, wenn wieder einmal die Bomben in Syrien oder dem Libanon explodieren. Plötzlich können wir nur nicht mehr denken, dass wir sicherer wären. Plötzlich ist der Schrecken nicht mehr tausende von Kilometern entfernt. Plötzlich fällt auch das letzte Stück der rosaroten Brille, die wir nicht tragen, weil wir naiv sind, sondern weil wir uns doch nur selbst schützen wollten. Plötzlich die Erkenntnis: Paris, das betrifft nicht nur Frankreich, es betrifft uns alle.

Es betrifft uns alle, da Paris erneut eines zeigt: Wir dürfen nicht alles für selbstverständlich halten. Wir geraten über Nichtigkeiten in Streit, ärgern uns darüber, dass wir keines der völlig überteuerten Stücke einer Designerkooperation ergattern konnten und verfluchen den riesigen Pickel, der natürlich dann aufploppt, wenn man ihn am wenigsten gebrauchen kann. Dabei wissen wir oftmals gar nicht mehr zu schätzen, was wir für ein Glück haben. Vergessen die Kleinigkeiten des Lebens.

Es ist kurz nach halb 1, als wir beschließen uns jetzt nicht runterziehen zu lassen. Wir beschließen, die Angst und den blinden Hass nicht siegen zu lassen. Wir beschließen, dass niemand uns unsere Freiheit und unsere Lebensfreude nehmen kann. Ich möchte daran glauben, dass Menschlichkeit in dieser Welt noch nicht verloren ist.

Ich habe eigentlich noch so viel mehr zu sagen, doch ich habe das Gefühl, einfach nicht die richtigen Worte dafür zu finden. Ich schreibe diesen Text, weil wir Blogger ein Sprachrohr der freien Meinungsäußerung sind. Ein Gut, welches nicht für alle Menschen selbstverständlich ist. Ich mache das hier nicht, um Klicks und Likes zu sammeln oder euch vorzuschreiben, wie ihr euch nun verhalten solltet. Ich schreibe diesen Text, um zu verstehen und mich immer wieder daran zu erinnern, was wirklich wichtig ist im Leben.

1 Kommentar:

  1. Das hast du sehr gut in Worte fassen können, auch wenn es so schwer ist - ich befinde mich zur Zeit in Frankreich und gerade jetzt - da hast du vollkommen recht - hört diese Naivität auf. Diese rosarote Brille ist verschwunden.

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